Freitag, 30. Januar 2009

XI. Noch was mitzugeben

Bitte alle kommen. Konzert wird veranstaltet von Freunden und mir. 100% D.I.Y.
Also Arsch bewegen und Fasnacht für einen Tag in die Tonne werfen. Bitte.


//mikrokosmos 23
+
// alte neue tricks



Mikrokosmos 23, grandioser Screamo/Post Punk mit Herz. Wer nicht hin geht scheitert!

Endlich! Nach langem Hängen und Würgen, gefühlten tausend Absagen und riesengroßen Steinen ist es uns gelungen diese jungen, sympathischen und absolut sexyen Herren für euch in euren Lieblingskonzertsaal zu holen! Die vier Dresdener spielen atemberaubenden Post-Punk gemixt mit Screamo und ganz viel Herz. Nicht umsonst entstehen bei Reviews ihres unglaublichen Debüts -als wir jung waren ist jetzt- Sätze wie: -Mikrokosmos 23 könnten die nächsten Escapado werden und sollten dies auch!-. Auch ihr neuester Schachzug, die grandiose Split mit Matula, Captain Planet und Planke, zeigt Mikrokosmos 23 in Hochform, mit dem gewohnten Gleichgewicht an Melancholie, Schmerz und eben auch Hoffnung. Kapellen wie diese sind in D-Land immernoch viel zu rar gesehen, deswegen sollte man sich diesen Abend nicht entgehen lassen!
Als Extra-Schmankerln zum warm werden, haben wir für einen spitzen Support gesorgt und zwar die Freiburger Band - Altec Neue Tricks (Indie /Alternative)

Achtung: beginnt pünktlich!!

www.myspace.com/mikrokosmos

www.myspace.com/alteneuetricks

X. Es ist soweit.

Kennst du das Gefühl eines Konzertes?
Du stehst in der zweiten oder in der dritten oder von mir aus auch in der ersten Reihe. Aber in der ersten Reihe stehst du sowieso nie. Da stehen nur die neusten Fans. Die, die gerne auch mal eine Todsünde begehen und ihr nagelneues Fotohandy zücken.

Zweite Reihe, dort stehen die Fans die auch schon die ersten Gehversuche der Band fleißig verfolgt haben. Dort stehen die, die jede Textzeile lauthals mit jede Menge Herzblut mitsingen können, die die gerne ihre Hand zu einer Faust ballen und sie zum Herzen führen, die die sich nicht schämen rote Augen zu bekommen wenn ihr persönliches Lieblingslied gespielt wird.

Ja dort stehst du!
Aber wie auch immer bzw. wo auch immer, das Gefühl wenn deine Band endlich die Bühne betritt ist überall gleich, ob erste oder zweite Reihe. Es ist ein tolles Gefühl endlich einmal die Leute zu sehen die hinter den Liedern stecken – die hinter dem stehen, was dich auf die gleiche Art und Weiße zum lachen und weinen bringen kann. Vor dir auf der Bühne stehen die Leute, die für jedes Gefühl die passenden Worte und Töne finden. Alles wirkt so wahr und echt.
Und dann, wenn das erste Lied erklingt, wirst du losgerissen aus der Tretmühle des Alltages. Diese ersten Sekunden sind für dich wie eine Steckdose - sie geben dir Wärme und Zuversicht. All das ist dein Schutzschild gegen die Ignoranz der Zeit. Das weißt du und deshalb genießt du die Minuten.
Du weißt, dieses Gefühl ist unersetzbar.
















(Schlicht & Ergreifend - Thoughts Paint The Sky - 25.09.08 KTS Freiburg)

Donnerstag, 29. Januar 2009

IX. Liebe

Tausend Lieder die sich immer nur im Kreise drehen. Alte Phrasen werden ausgegraben und dann entstaubt und neu erwärmt. Tausend Worte die so wertvoll sind wie eines. So unglaublich farblos, trivial und berührungslos. Dir nichts gegeben, weil alles schon einmal da war. Dreh um und lerne!

Lass die kleinen Herzen reden:



Mittwoch, 28. Januar 2009

Dienstag, 27. Januar 2009

VII. Träume die im Sand verlaufen


Meine kleinen müden Augen waren mittlerweile schon voller Sand. Sie brannten höllisch – sie tränten. Überall war dieser verfluchte Sand. Zwischen meinen Fingernägeln und in meinen Haaren, sogar in meinem Mund spürte ich ihn oder zumindest bildete ich ihn mir dort ein. Meine ganze Haut war von oben bis unten sandig und rau. Es juckte und biss doch da war keine Zeit sich zu kratzen oder sich gar zu waschen.

Das immer lauter werdende Rauschen des Meeres nahm ich nicht mal wahr. Auch nicht meine Eltern, die gut zwanzig Meter hinten mir langsam aber sicher die Liegestühle zusammen klappten. Ich war nur auf eine bestimmte Sache fixiert – auf meine Sache. Nichts anderes drang in meine kleine Welt. Ich wollte es schaffen. Ich war konzentriert. Ich musste es einfach schaffen.

Das Meer wurde immer lauter. Es kam für einen kurzen Augenblick und ging dann wieder zurück. Es sah so aus, als würde es immer mehr Anlauf nehmen und tatsächlich, so war es auch, denn es kam näher und näher. Es war beängstigend wie das Wasser mir auf die Schulter tippte und mir klar machte, dass mir nicht mehr viel Zeit übrig blieb.

Ich gab alles und mir wurde bewusst, dass es jetzt nicht mehr um Schönheit ging. Jetzt, genau in diesem Moment ging es nur noch ums blanke Überleben und ich wollte es schaffen.

Ich kniete mit dem Rücken zum Meer. Immer wieder kam das Wasser und immer wieder wurden meine Fußspitzen nass. Der Wind pustete mir Sand aus meinem Haar doch gleichzeitig wehte er mir auch immer wieder neuen hinein. Auf meiner Stirn bildetet sich eine eklige Schicht aus Schweiß und Sand. Doch das war mir egal denn das Wasser drang mittlerweile bis zu meinen Knien vor.



Das Meer kam näher und näher und die Zeit lief mir davon. Ich buddelte immer weiter. Nur mit meinen beiden Händen, schon lange nicht mehr mit meiner kleinen gelben Plastikschaufel, die ich so sehr malträtiert hatte, dass sie oberhalb der Schaufelfläche, am Griff abgebrochen war.

Ich sah wie meine Eltern den Sonnenschirm einklappten. Doch ich nahm es nicht wahr, ich sah es nur. Meine Gedanken waren irgendwo anders. Sie waren hier. Genau hier. Ich wollte es schaffen. Fest biss ich auf meine kleinen Milchzähne. Ich war entschlossen.

Doch dann plötzlich kniete ich auf einmal vollständig im Wasser. Einen Moment später ging das Meer wieder so schnell zurück wie es kam, nur um einen Augenblick später erneut mit voller Wucht angerauscht zu kommen. Der große Damm bekam deutliche Risse und mir wurde bewusst, dass er in diesem Zustand die nächste Welle nicht überstehen würde. Also nahm ich so viel nassen Sand wie es nur ging in meine Hände und versuchte den brüchigen Damm irgendwie zu reparieren.

Doch es war vergebens. Die Welle die jetzt auf den Damm zurauschte war noch viel mächtiger als die Wellen zuvor. Der Damm brach in sich zusammen und das Wasser schoss gnadenlos und mit voller Wucht auf meine große, prächtige und liebvolle erbaute Sandburg zu.

Ich saß da und konnte nichts machen. Ich war klein. Ich war voller Sand und Matsch. Ich saß einfach nur da und musste mit ansehen wie meine große Sandburg durch die Wassermassen einstürzte. Ich war hilflos verloren - ich hab es nicht geschafft.

Die ersten Tränen kullerten meine sandigen Wangen hinunter. Sie schlängelten sich durch die groben Sandkörner hin durch und fielen schließlich in den Sand, wo sie gleichgültig für immer verschwanden. Es tat alles so unendlich weh. Mein noch kleines Herz brach damals zum ersten Mal in zwei.

Ich wusste von Anfang an, dass ich verlieren würde doch trotzdem tat ich es und lies mich auf den aussichtslosen Kampf ein. Ich war zum scheitern bestimmt und dies wusste ich, doch ich wollte es nicht einsehen – einfach nicht einsehen!

Ich war naiv, so naiv wie damals als ich versuchte, einen riesengroßes Iglu im Garten zu bauen obwohl es nur lächerliche fünf Zentimeter Schnee hatte, oder wie ich eine Woche später versuchte einen Mannshohen Schneemann zu errichten und das obwohl schon längst das große Tauwetter eingesetzt hatte. Überall war damals nur noch Wasser zusehen, alles schmelzte und tropfte doch ich versuchte es trotzdem. Ich wollte es einfach schaffen auch wenn mich meine Eltern fies auslachten, als ich in meinem viel zu großen, grünen Schneeanzug nach draußen lief. Sie lachten und ich wollte ihnen zeigen, dass es da verdammt noch mal nichts zu lachen gibt!!

Doch natürlich scheiterte ich. Da gab es schließlich auch nichts zu gewinnen. Ich konnte doch nur verliere. Nichts anderes. Aber wenigstens tat ich dies auf einem verdammt hohen Niveau. Trotzdem tat mir dieser enttäuschte Blick, den ich auf den Boden warf jedes mal weh – so unendlich weh.

Diese verdammt Einsicht und diese verfluchte Erkenntnis des Scheiterns ist so gemein. Sie beißen einem in den Arm und bleibt dort hängen. Sie setzten sich fest. Du kannst schütteln und rütteln, sie lassen nicht los. Sie bleiben einfach da. Doch du machst weiter. Du hörst irgendwann auf zu schütteln und du nimmst es einfach so hin wie es ist, schließlich bist du gescheitert.

Ich erinnere mich daran, wie ich nachmittags auf unserem alten, grau gepunkteten Sofa lag. Ich wartete auf meine Lieblingskindersendung, auf das Mittagessen oder auf meine Freunde die zum spielen vorbeikommen wollten. Dieses lästige und verfluchte Warten verbrachte ich jedes Mal damit, die Punkte auf diesem hässlich grauen Sofa zu zählen. Es waren hunderttausende. Es war einfach unmöglich sie alle zu zählen. Aber ich tat es trotzdem. Jedes Mal. Immer wieder.

Warum?

Warum machte ich das?

Warum?

Warum versucht man immer wieder etwas zu retten, was nicht zu retten ist?

Warum glaubt man, man würde das Richtige tun obwohl man weiß, dass es das Falsche ist?

Chancenlos auf den ersten Platz schielen und dabei wissen das man scheitert.

Warum tut man all diese Dinge?

Warum immer dieses ewige Spiel - Vernunft gegen Hoffnung – Träumerei gegen Realität?

Was soll dieser verfluchte Scheiß?

Was am Ende auf der Gewinnerseite und was auf der Verliererseite steht ist von Anfang an klar. Die Hoffung verliert null zu sechs gegen die Realität. Sie ist chancenlos. Sie hat nicht die Kraft zu gewinnen. Der Mut ist zwar da, der Wille auch aber das reicht nun mal meist nicht aus. Sie bemüht sich, sie rackert sich ab und doch krepiert sie am Ende erbärmlich.

Wird man jedoch die Hoffnung wahren, so wird man eines Tages ausbrechen aus dem einst immer gleichen Raster. Ja irgendwann da wird man die Spielregeln brechen, man wird die Realität besiegen, den Spieß umdrehen und die Dinge auf den Kopf stellen. Man wird nicht mehr zweifeln, man wird nur noch leben und gewinnen.

Heute wird gewonnen - bitte!

Montag, 26. Januar 2009

Samstag, 24. Januar 2009

V. Samstagsspaziergang











IV. Zum einsam sein.

Ich liebe Ballons, Luftschlangen und Konfetti. Doch ich hasse das Gefühl von Einsamkeit. Schmerz tut weh sonst wäre er schön. Ich kenn das. Wach bleiben. Anschauen und weinen. Bitte. Alleine.

Freitag, 23. Januar 2009

III. Tun Sie es nicht so wie Herr Chinaski es tat




„ein Goldschatz ohne wert

wie nudeln ohne Soße

für wärme und Freundschaft

sorgt hier nur noch die Steckdose“

muff potter



Die Stille wird nur durch einen laut vor sich hin tropfenden Wasserhahnen gestört. Der Ausguss ist durch das ständige Tropfen verrostet. Auf dem Boden nichts als leere Flaschen. Es richt nach abgestandenem Alkohol und stinkt nach Pisse. Neben dem Bett steht ein Eimer. Als er aufsteht fällt er fast über ihn. Er beginnt zu laufen. Erst jetzt bemerkt er wie schwer er sich dabei tut, ein Bein vor das andere zu setzten. Fast so schwer wie vor 51 Jahren. Damals hat ihm niemand gesagt, dass man es wieder verlernen könnte – das Laufen und das Leben an sich. Er ist eingerostet, jedoch nicht einfach über Nacht. Auch nicht in den letzten Tagen, Wochen oder gar Monaten. Einrosten ist etwas, das sich über Jahre hinweg zu etwas entwickelt, das irgendwann nicht mehr zu stoppen scheint. Und das weiß er nur zu gut.

Er ist stehen geblieben – in der Mitte des Raumes. Sein Kopf fühlt sich an wie ein Zementblock, so unerträglich schwer ist er. Er schaut sich um. An der Wand hängen vergilbte Bilder, die zeigen was einmal war und jetzt nicht mehr ist. Bilder von Ausgrabungen in fernen Ländern. Archäologie war einst sein Hobby, heute ist es nur noch eine Erinnerung an eine Zeit, in der er sich stark, ja fast schon unbesiegbar fühlte.

Eine Urkunde hängt in einem schiefen und zerkratzten Glasrahmen. Jens Dollermann. Jens Dollermann steht deutlich mit einer kursiven Schrift auf ihr. Es ist irgendeine Auszeichnung für irgendeinen belanglosen, großen Coup als Investment Banker. Neben dem Namen auf der Urkunde steht mit Bleistift leicht geschrieben: „ Jens, du bist ein Siegertyp! Deine Hellen“. Er schluckt und muss lauthals lachen. Er lacht so laut, dass sich die Frau, die er nicht kennt und trotzdem auf seinem Bett liegt, wälzen muss.

Er schaut sich weiter um. An einer Stelle an der Wand liegen Scherben auf dem Boden. Einen schmerzhaften Stich spürt er in seinem Rücken als er sich bückt. In den Scherben liegt ein Bild, dessen Antlitz mächtig ist. Auf dem Bild scheint Frühling zu sein. Die Bäume im Hintergrund blühen in bunten, wunderschönen Farben. In mitten einer glücklich wirkenden Familie steht ein Mann – Jens Dollerman! Er weiß ganz genau, dass diese viel zu glückliche Familie nicht irgendeine Familie, sondern seine ist. Seine Gesichtszüge verändern sich schlagartig: Die kleinen Augen werden rot und langsam aber zielstrebig läuft eine glänzende Träne seine bleiche und raue Wange hinunter. Erst eine, dann zwei und dann drei. Sie scheinen immer schneller zu laufen. Er lässt sich ganz auf den Boden fallen und spürt dabei wie sich eine Handvoll spitze Scherben in seinen Oberschenkel bohren. Aber er spürt den Schmerz nicht. Da ist nichts mehr. Seine Gefühle sind wie eingefroren. Er will schlafen, doch der Weg zum Bett ist viel zu weit und viel zu steinig. Er bleibt in den Scherben liegen mit der Hoffnung, dass alles von alleine besser wird. Wie immer nur Schweigen und Angst. Fürchterliche Angst. Er starrt nach oben. An der Decke hängt leblos und einsam eine verstaubte Glühbirne. Sie leuchtet so grell, dass er nur noch einen weißen, starken Schimmer sieht.

Er schließt die Augen zählt bis drei und nimmt all seinen übrig gebliebenen Mut zusammen und blickt auf nach vorne. Schaut sich das Familienfoto ein weiteres Mal an. Diesmal nicht nur für Sekunden. Fast eine halbe Ewigkeit verliert er das Foto nicht aus seinen Augen. Ohne Tränen, viel mehr mit einem Anflug von Ehrgeiz erhebt er sich vom Boden und merkt plötzlich, wie es um ihn steht und dass da noch viel mehr ist als Schweigen.

Es gibt noch etwas in ihm, etwas das brennt…. let´s pretend a happy end.


II. Das Ende vom Anfang des Endes


Das warten auf den Augenblick. Ich redete irgendetwas. Es hatte keine große Bedeutung. Irgendetwas. Hauptsache reden, denn heimlich habe ich nur auf diesen einen Augenblick gewartet. Es schien so, als würden die Minuten wie Stunden vergehen. Die Luft knisterte und ich wusste bald würde es so weit sein. Ich versuchte so viel wie es nur ging zu reden nur um so das Warten irgendwie erträglicher zu gestalten. Ich wartete und ich wusste, du hast ebenfalls gewartete. Vor mir ein Fluss mit vereinzelten Eisschollen darauf. Ich fühlte mic
h, als würde ich auf einer dieser treiben und neben mir du. Wir redet
en aber wir taten nichts. Wir ließen uns einfach nur treiben und hofften, wir würden bald ankommen. Es war grau, es war kalt – höllisch kalt. Die Bäume waren kahl und unter ihnen stapelte sich das Laub. Braun aber grau.


Ein hässlicher Tag wäre es gewesen, wenn du nicht neben mir auf der Bank gesessen wärst. Du hast geredete. Ich habe geredet. Wir warteten gemeinsam auf diesen einen Augenblick. Wir liefen einen Pfad entlang. Ich spürte den Schotter unter meinen Füßen und deine Hand in meiner. Wir hielten Händchen und liefen den Fluss entlang. Geradeaus. Es wurde immer kälter. Doch deine Hand wärmte mein Herz. Auf einer Brücke blieben wir stehen. Mir war warm und doch zitterte ich mit meinen Zähnen. Es war zu warm. Du sch
autest in mein Gesicht. Ich in deins. Ein paar Sekunden. Zwischen uns lag etwas Großes und es war unheimlich – für mich. Dann zählte ich heimlich in meinem Kopf bis drei. Auf drei war die Angst weg. Einfach weg. Ich nahm all meinen Mut zusammen und sprach die drei großen Worte mit einer zitternden und erbärmlichern Stimme aus. Du hast die Worte erwidert und kamst mit deinem Gesicht meinem näher. Immer näher. Ich tat das gleiche. Und plötzlich berührten sich unsere Lippen. Ich hielt inne.
Mein erster Kuss.
Das Herz begann zu schlagen, gar so sehr das ich es trotz dem Rauschen des Flusses nicht nur spüren sondern auch hören konnte.


Es pochte und machte. Jeden einzelnen Schlag hörte ich. Es mussten Hundertmillionen Liter Blut durch die Herzkammern gerast sein. Ich spürte die Kraft und das Rauschen der Liebe. Mein Herz leuchtete und ich hätte gelacht, hätte ich nicht meinen Mund so fest an deinen gepresst. Ich spürte deinen Atem. Die Sekunden kamen mir vor wie Stunden und trotzdem ist jetzt nichts mehr übrig von diesem einem Moment.
Ich hätte diese Szene so lang halten sollen wie es nur ging. Ich hätte diesen Moment dehnen sollen, so lang es möglich gewesen wäre. Ich hätte nicht nur inne halten sollen, nein, viel mehr hätte ich die Zeit anhalten sollen. Stopp drücken und genießen. Viel mehr genießen als ich es damals tat. Alles spüren. Deine von der Kälte spröden Lippen, deinen Mund, dein Blick, deine Zunge, deine Wärme, deinen Atem und Geschmack. Ich hätte anhalten sollen. Ich hätte viel mehr spüren sollen. Das Gefühl wie sich in meinem Kopf der Knoten löste, wie das Gewicht auf meiner Brust verschwand und sich die angestaute Angst aus dem Staub machte, wie mein Herz zufrieden und freudig Flickflacks schlug, wie das reine Glück mir durch jede einzelne Ader floss und wie warm mein Mund war. So unbeschreiblich warm. Das hätte ich viel mehr spüren und genießen sollen. Tausend mal mehr. Millionen mal mehr. Oder zumindest hätte ich versuchen sollen, diesen Moment einzupacken, ihn mit nach Hause zunehmen nur um ihn so dort für aller Ewigkeiten zu konservieren.
Ja, das hätte ich tun sollen. Doch an so etwas dachte ich damals nicht, viel mehr war ich mir sicher, dass jetzt erst alles anfing. Das Glück, die Liebe und das Leben. Das all das mit dem ersten Kuss beginnt. Das er mir die Tür zum Leben öffnet – zur Liebe. Verdammt, ich wusste doch damals noch nicht, dass das Gegenteil der Fall ist.
Das mit dem ersten Kuss alles zu Ende ist.

Donnerstag, 22. Januar 2009

I. Anfang

Ich falle auf die Fresse und stehe dann meist wieder auf.

Jeden verfluchten Tag wisch ich mir aufs Neue den Dreck aus dem Gesicht und behandele meine Schürfwunden. Sie brennen schon lange nicht mehr. Sie sind da. Einfach nur da. Sie erinnern mich an Gestern und an Dinge die einst waren. Sie sind meine Erinnerungen, die mir zeigen was Vergangenheit ist.

Ich will mich hier nicht ausziehen, mich nackt machen und zeigen wer ich bin. Ich will hier nicht stehen und sagen was ich tue und schon gar nicht will ich hier von Dingen erzählen, die in ihrer Belanglosigkeit und Normalität nicht zu übertreffen sind.

Alles was ich hier will ist von Dinge zu erzählen, die mich berühren und bewegen. Ich will hier Bilder zeigen die mir wichtig erscheinen und von denen ich denke, dass sie groß sind. Ich will für die Dinge Worte finden, die uns am Leben halten. Für den ganzen Scheiß den wir jeden Tag durchmachen müssen aber auch für die Schönheit, die sich am Ende gegen die Illusion durchgesetzt hat. Ich will Geschichten erzählen.

Geschichten vom Aufstehen und Fallen.


Mit Herz.

Simon.